Die Bibellesenacht
in der Klosterkirche Bebenhausen
um den Reformationstag

Interessantes, wissenswertes und
lehrreiches, mitunter aber auch
spannendes und unterhaltsames
aus der Bibel zu hören.

Das ist der Anspruch, dem sich die Bebenhäuser Bibellesenacht stellt.

Seit dem Jahr 2003 veranstalten die Evangelischen Kirchengemeinden Bebenhausen und Lustnau zusammen mit der Katholischen Kirchengemeinde alljährlich am Abend des Reformationstages (31. Oktober) diese Veranstaltung, die – am Vorabend von Allerheiligen – dem konzentrierten Hören auf Gottes Wort gewidmet ist.

Umrahmt und vertieft wird das Programm mit ausgewählter Musik von Harfe, Flöten und Saiteninstrumenten, gespielt vom Ensemble „Chanter“.
http://www.chanter-tuebingen.de/

Die Veranstaltung beginnt um 19:30 Uhr und klingt mit einem Beisammensein bei Brot und Wein, oder auch mit Wasser, bei dem sich Gelegenheit zum Austausch über das Gehörte bietet, gegen 22:00 Uhr aus.

Wir wünschen Ihnen viel Spaß bei den biblischen Entdeckungen.

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Das Evangelium von Markus ist das älteste der biblischen Evangelien. Markus hat diese grundchristliche Literaturgattung überhaupt erst geprägt. In der theologischen Literatur wird das Markus-Evangelium oft als „Passionsgeschichte mit ausführlicher Einleitung“ charakterisiert. Gleich beim ersten öffentlichen Auftreten Jesu fällt der Beschluss, ihn zu töten. Damit wird ein Spannungsbogen eröffnet, der sich bis zum Ende durchzieht. Wie in einer Perlenkette reiht sich - im Deutschen durch das für die Lutherbibel typische einleitende „Und“ verbunden - Ereignis an Ereignis und Jesuswort an Jesuswort, bis mit den Leidensankündigungen und den Nachfolgeworten das Zentrum der Botschaft des Evangeliums entfaltet wird.

Gelesen wurde das Markus-Evangelium in der klassischen Übersetzung Martin Luthers.

Bildmotiv:
Der Evangelist Markus an der Renaissance-Kanzel der Klosterkirche Bebenhausen, Aufnahme: Ursula Stöffler
Text:
Hannelore Jahr 

 


Die zweite Bebenhäuser Bibellesenacht bot 2005 mit „Kriminalgeschichten der Bibel“ Spannung mit Tiefgang, umrahmt von einem attraktiven musikalischen Programm.

Kriminalgeschichten haben Konjunktur. Unter den 50 bestplatzierten Romanen der Bestsellerlisten ist derzeit fast jeder zweite ein Thriller. Krimis bieten Spannung, psychologisch interessante Einblicke in das Denken und Fühlen ihrer Hauptpersonen und – wenn der Fall aufgeklärt ist – zuletzt das Gefühl, dass es in unserer chaotischen und schwer durchschaubaren Welt doch noch so etwas wie Ordnung gibt. Die Bebenhäuser Bibellesenacht zeigte, dass die Kriminalgeschichten der Bibel den Thrillern von heute an diesen Punkten in nichts nachstehen. Vom kleinen Eigentumsdelikt bis zum staatlich geplanten Massenmord decken sie die ganze Bandbreite von Vergehen ab, wie sie auch Commissario Brunetti oder Kurt Wallander in Atem halten.

Wer die Bibel mit den Augen des Krimi-Fans liest, kommt schon gleich auf den ersten Seiten auf seine Kosten: wenn beim ersten Mundraub der Weltgeschichte Adam und Eva vom verbotenen Baum essen oder brennende Eifersucht dazu führt, dass ein Bruder den anderen ermordet. Die Aufklärung solcher Fälle ist für den göttlichen Ermittler ein Leichtes, umso überraschender aber ist das Strafmaß, das er jeweils für angemessen hält.

Dass kriminelle Vergehen auch in den besten Familien vorkommen, wird aufmerksame Bibelleser ebenso wenig überraschen, wie die Tatsache, dass auch die Herrscher Israels, nicht einmal der große König David, davor gefeit sind. Es ist eine der bekanntesten biblischen Kriminalgeschichten, wie David den Ehemann der attraktiven Batseba aus dem Weg räumen ließ, um den Ehebruch mit ihr zu vertuschen. Aber auch vor seiner Thronbesteigung war David nicht nur der strahlende jugendliche Held, der Goliat besiegte, sondern bewegte sich in durchaus zwielichtigen Bahnen.

Echte Thrillerqualität hat schließlich die Geschichte von der Rettung der im persischen Reich lebenden Juden vor der drohenden Vernichtung durch die Intervention der ebenso schönen wie klugen Königin Ester, die bis heute alljährlich mit dem jüdischen Purimfest gefeiert wird. Und Jesus scheint geradezu Freude daran gehabt zu haben, die Zuhörerschaft seiner Gleichnisse mit moralisch zweifelhaften Helden zu konfrontieren.

Wenn Gott selbst die Ermittlungen aufnimmt oder wenn Jesus sich als Urheber von kriminalistischen Short-Stories erweist, wird rasch deutlich, dass es in den Kriminalgeschichten der Bibel nicht nur darum geht, bei der Lösung kniffliger Fälle dabei zu sein. Als Erzählungen von Schuld und Sühne, von menschlichem Vergehen und göttlicher Gerechtigkeit behandeln sie zugleich auch Grundfragen unseres eigenen Daseins und tragen dazu bei, Sinn und Orientierung für das eigene Leben zu finden.

Bildmotiv:
Leit(d)-Motiv auf dem Treppenportal der Renaissancekanzel in der Klosterkirche Bebenhausen
Aufnahme: Ursula Stöffler
Text: Hannelore Jahr

 


Im Mittelpunkt der dritten Bebenhäuser Bibellesenacht stand die Geschichte von Josef und seinen Brüdern – ein Stück Weltliteratur aus dem ersten Mosebuch.

Die Josefsgeschichte hat viele Dichter und Künstler zu eigenen Werken und Bearbeitungen inspiriert: sei es Grimmelshausen, Thomas Mann (Josef und seine Brüder) oder den englischen Musicalkomponisten Andrew Lloyd Webber (Joseph).

Von den Träumen des jungen Josef bis zu ihrer Erfüllung, vom Zerwürfnis zwischen den Brüdern bis zu ihrer Versöhnung, vom Verlust des Lieblingssohnes bis zu seinem Wiederfinden im fremden Land spannt sich der Bogen der Ereignisse. Durch die Tiefen von Irrungen, Prüfungen und Leiden müssen alle Beteiligten hindurch, bevor sie zum glücklichen Ende zusammenfinden. Göttliche Fügung und Führung durchzieht das Geschehen, das sogar die bösen Absichten von Menschen in seinen Dienst zu nehmen vermag.

Bildmotiv:
Figur auf dem Treppenportal der Renaissancekanzel in der Klosterkirche Bebenhausen
Aufnahme: Ursula Stöffler
Text: Hannelore Jahr

 


Für die Lesung im Jahr 2007, der vierten Bebenhäuser Bibellesenacht, wurden die großen Reden Jesu aus dem Matthäus-Evangelium ausgewählt: die Bergpredigt, die Gleichnisrede und die Rede von der Endzeit.

Alle drei sind Kerntexte der Bibel wie des christlichen Glaubens, die sich aufgrund ihres literarischen Charakters besonders gut zum Vortragen und Hören eignen. Ihre Spannbreite reicht von den Seligpreisungen und dem Aufruf zur Feindesliebe bis zum Gleichnis von den klugen und törichten Jungfrauen und der Schilderung des Weltgerichts mit den „Werken der Barmherzigkeit“.

Alle drei Reden stehen unter dem Vorzeichen des Reiches Gottes, das mit Jesus anbricht: Die Bergpredigt ruft auf zu einem Verhalten, das diesem Reich entspricht; die Gleichnisrede bringt dieses Reich in sprechenden Bilder aus der menschlichen Lebenswelt nahe und die Rede von der Endzeit mahnt, die Bedeutung der jetzt noch verbleibenden Zeit ganz ernst zu nehmen.

Alle drei Reden haben auf ihre Weise einen gewichtigen Beitrag zur abendländischen Kultur geleistet: Die Bergpredigt ist aus der ethischen Diskussion bis heute ebenso wenig wegzudenken wie die Gleichnisrede aus der Bildung des Herzens und die Endzeitrede aus der Kunstgeschichte.

Bildmotiv:
Der Evangelist Matthäus von der Renaissance-Kanzel der Klosterkirche Bebenhausen
Aufnahme: Ursula Stöffler
Text: Hannelore Jahr


 

Eva, Maria & Co.
Frauen der Bibel zeigen Flagge

Am 31. Oktober 2008 fand in der Klosterkirche Bebenhausen die fünfte Bibellesenacht statt, die wie schon in den vergangenen Jahren von den Evange­lischen und Katholischen Kirchengemeinden Lustnau und Bebenhausen veranstaltet wird.
Es ist eine mittlerweile bewährte Tradition, am Abend des Reformationstages und Vorabend von Allerheiligen in der Klosterkirche dem konzen­trierten Hören auf Gottes Wort Raum zu geben. Bei den Lesungen geht es in diesem Jahr um Eva, Ma­ria & Co. - die Frauengestalten der Bibel.
Bis heute ist die Diskussion um die Rolle der Frau, die in den 70er Jahren des letzten Jahrhunderts zu einem der großen gesellschaftlichen Themen ge­worden ist, nicht wirklich zum Abschluss gekom­men. Nach wie vor ist es für Frauen ungleich schwieriger als für Männer, ihren Platz in der Ge­sellschaft zu finden und die Anforderungen von Familie und Beruf unter einen Hut zu bekommen. Früher scheint alles einfacher gewesen zu sein ­und erst recht in der Bibel, wo jede Frau und jeder Mann ihre oder seine klar definierte Rolle hatte.
Wenn wir uns aber die Frauengestalten der Bibel näher ansehen, werden wir schnell eines Besseren belehrt. Da gibt es keineswegs festgelegte Frauen­rollen! Neben den glücklichen Müttern, die wir er­wartet hatten, stehen da große Staatsfrauen, die so­gar in der Kriegsführung bewandert sind und mit­unter mit dem Feind kurzen Prozess machen. Da hört man von Maria. dem Idealbild der reinen Jung­frau, plötzlich ungewohnt revolutionäre Töne, da zeigen Frauen Flagge, wo Männer Fersengeld ge­ben.
Die Frauengestalten der Bibel lassen erkennen, was es bedeutet, damals wie heute eine Frau zu sein. Sie erzählen von Freude und Leid, von Liebe und Lei­denschaft, von List und Kalkül, von Mut und Treue. Und: Sie können Vorbilder im Glauben sein, denn sie alle verbindet ein tiefes Gottvertrauen, aus dem heraus sie das Richtige tun.

Bildmotiv:
Erschaffung Evas - Medaillon im Schalldeckel der
Bebenhäuser Renaissancekanzel
Text: Hannelore Jahr

 


Die sechste Bibellesenacht im Jahr 2009 forschte nach biblischen Zeugnissen für Wein- und Festgeschichten, ….dass der Wein erfreue des Menschen Herz (Psalm 104,15).

In der Bibel findet sich eine ganze Reihe von Ge­schichten über Weinbau, Weinberge, Weinbauern und Weintrinker. Und wo vom Wein die Rede ist, sind in der Regel auch Feste und Festlichkeiten nicht fern. Die Bibel spannt zu diesem Thema einen weiten Bogen: angefangen vom 1. Mose­buch, wo der Wein etwa in der Geschichte vom Aufstieg des Beduinenjungen Josef zum zweiten Mann im Staat Ägypten eine wichtige Rolle spielt, über die kleinen und großen Feste und Feiern im Alten und Neuen Testament und die besonderen Mahlfeiern Jesu bis hin zum großartigen Fest, das Gott am Ende der Zeit mit den Menschen feiern will.

Der Wein ist für die Bibel kein Getränk, das ein­fach gegen ein anderes ausgetauscht werden könn­te. Er ist eine besondere Gabe des Schöpfers an die Menschen. Darum gehören hier die Geschich­ten vom Wein und von Festen auch so eng zu­sammen. Die Feste, von denen in der Bibel die Rede ist, vermitteln eine Vorahnung von der Zu­kunft, auf die diese Welt zugeht. Dann richtet Gott für seine Geschöpfe das Fest des Lebens aus, das von nichts mehr in Frage gestellt werden wird. Jeder Gast, woher er auch kommt und wie zwei­felhaft seine Vergangenheit auch ist, darf mitfeiern und kommt hier zu Ehren. Die Einladung aus Psalm 34,9 gilt: „Schmecket und sehet, wie freundlich der Herr ist!“

Bildmotiv:
Detail von einem Epitaph in der Klosterkirche Bebenhausen
Text: Hannelore Jahr

  


Das Wasser ist das Urelement des Lebens. Und so ist es nicht verwunderlich, dass Wasser im realen, wie auch im übertragenen Sinn eine bedeutende Rolle in der Bibel spielt. In der siebenten Bebenhäuser Bibellesenacht im Jahr 2010 wurden diese Spuren gesucht.

Die Bibel enthält eine große Zahl von Geschichten, in de­nen es in irgendeiner Form um jenes Urelement des Lebens geht: um Meere und Seen, Quellen und Flüsse, Regen und Wasserfluten. Die bibli­sche Überlieferung kennt so­wohl den Leben spendenden als auch den Leben bedrohen­den Aspekt des Wassers. Die biblischen Geschichten haben ihren Ursprung ja in einer Re­gion der Erde, die von Tro­ckenheit und Dürre geprägt ist – umso wichtiger ist der Bibel die Erfahrung des Wassers als Quelle des Lebens. Die Menschen der biblischen Zeit wissen aber auch sehr wohl um die chaotische und zerstörerische Kraft, die dem Was­ser innewohnt.

Die Bibellesenacht lädt ein zu einer Fahrt durch die biblischen Gewässer – auf den Strömen des Paradieses, in Noahs Arche über die große Flut oder unter Moses Führung mitten durch das Schilfmeer. Mit Jesus in einem Boot zu sitzen – das war eine grundlegende Erfahrung der Jünger. Nicht umsonst ist das Boot daher auch zum Sym­bol für die christliche Kirche geworden: ein Schiff, das sich Gemeinde nennt ... Ein Schiff wird aber nicht gebaut, um im Hafen zu liegen, sondern um sich auf die hohe See hinauszuwagen. Und der Wind, der seine Segel bläht, steht in der Bibel für Gottes Geist, der das Schiff auf Kurs hält.

Wo immer die Bibel vom Wasser erzählt, geht es zuletzt um das Leben selbst: auch und gerade um das Leben derer, die diese Ge­schichten lesen oder hören und – vielleicht – von ihnen nicht unberührt und unver­ändert bleiben. Ob zu Land oder zu Wasser: das Leben, von dem die Bibel erzählt, trägt und erfrischt. Also „Leinen los“, um dieses Leben zu entdecken.

Bildmotiv:
Brunnen im Innenhof des Klosters Bebenhausen
Text: Hannelore Jahr

 


In der zur Stille und Meditation einladen­den Atmosphäre der Klosterkirche Bebenhausen wurden 2011 in der achten Bebenhäuser Bibellesenacht Träume und Visionen der Bibel ergründet.
 

Es gibt wohl nie­mand, der beim Thema „Träume“ nicht aus eigener Erfahrung mitreden könnte. In der Tat können Träume eine hervorragende Hilfe sein, uns selbst ken­nen zu lernen und weiterzuentwickeln. Nichts und niemand führt uns unser eige­nes Verhalten, unsere Wünsche und Gefüh­le so bildhaft vor Augen wie Träume. Deshalb sind Träume auch ein wichtiges Thema der moder­nen Psychoanalyse, allen voran bei ihrem Begründer Sigmund Freud.

Die Traumgeschich­ten der Bibel erinnern jedoch daran, dass es mehr gibt als unseren inneren psychischen Kosmos. In den Träumen, von denen die Bibel berichtet, ist es Gott, der durch Träume zu den Men­schen spricht und ihrem Leben eine neue Richtung gibt. Die biblischen Träume können lebensrettend sein - so wie bei Josef, den ein Traum vor dem Kindermord von Bethlehem warnt, so dass er den kleinen Jesus rechtzeitig nach Ägypten in Sicherheit bringen kann. Einem Traum haben wir in Europa es zu verdanken, dass Paulus das Christentum nach Griechenland brachte. Träume können unerfüllt bleiben oder in Erfüllung gehen - wie etwa der Traum der Israeliten, die sich im Exil in Babylon nach der Rückkehr in die Heimat sehnten.
Daneben weiß die Bibel allerdings auch von quälenden Alpträumen und verlogenen Traumdeutern zu berichten. Und schließlich erzäh­len die Träume und Visionen der Bibel davon, dass die Wirklichkeit, in der wir Menschen uns bewegen, plötzlich durchlässig wird für eine andere: die Wirk­lichkeit Gottes. Da werden Schwerter zu Pflugscharen, Tote stehen auf und das Kälbchen wächst gemeinsam mit dem jungen Löwen heran.

Durch Träume greift Gott ein in die Pläne der Men­schen und ruft sie, einen anderen Weg einzuschlagen. Der Traum wird zum Ort der Begegnung zwischen Gott und Mensch. Wer die Traumgeschichten der Bibel gehört hat, wird hinterher mit anderen Augen träumen. Vielleicht sogar wacher.

Bildmotiv:
Jakobs Traum von der Himmelsleiter – Epitaph in der Klosterkirche Bebenhausen
Text: Hannelore Jahr

 


 

In der Klosterkirche, die ja von wunderbaren Gärten umgeben ist, ging es Jahr 2012 bei der neunten Bebenhäuser Bibellesenacht um die Gartengeschichten der Bibel.

Auch wenn die Bäume im Herbst ihr buntes Laub abgeworfen haben, ist die Erinnerung an die blühenden Sommergärten noch ganz lebendig. Sie wird uns durch die Wintermonate begleiten, bis die Schneeglöckchen von neuen Gartenfreuden künden.

Das Thema „Garten“ durchzieht die Bibel in unerwartet vielfältiger Weise – von der  Schöpfung im ersten bis zur Vollendung im letzten Kapitel. Gott der Schöpfer scheint geradezu eine Vorliebe für Gärten zu haben: Im Garten Eden geht er umher und ruft: „Adam, wo bist du?“ Im Gelobten Land pflanzt Gott sein Volk wie einen Weinberg. Den Garten der Liebe erfüllt Gott mit wunderbaren Düften und zeigt den Verliebten ie Schönheit seiner Schöpfung. Im Garten des himmlischen Jerusalems am Strom des Lebens wohnt Gott bei den Menschen und wischt die Tränen von ihren Augen. Auch entscheidende Stationen der Jesusgeschichte spielen im Garten: In Getsemani wird er verhaftet, um in den Tod zu gehen. In einem Garten begegnet er nach seiner Auferstehung Maria Magdalena, die ihn für einen Gärtner hält.

Wer sich auf die Spur der biblischen Gartengeschichten begibt, wird staunen, wie viel Erdverbundenheit in der Heiligen Schrift zu finden ist – wie viele handfeste Erfahrungen von Gärtnern, Weinbauern, Landwirten und Heilkundigen. Das hat seinen Grund vielleicht auch darin, dass der Garten in der Bibel ein Gleichnis für das Leben der Menschen in der Gegenwart Gottes ist. Damit ist der Garten zugleich ein Bild für die Welt, wie sie sein könnte: ein Ort der Schönheit und des Friedens, der Fruchtbarkeit und des Heils und der innigen Verbundenheit alles Lebendigen. Und vielleicht ist das der eigentliche Grund, warum der Garten und die Geschichten von ihm uns so unwiderstehlich anziehen.

Bildmotiv:
Gartenmotiv im Kloster Bebenhausen
Text: Hannelore Jahr

 


 

Die Bebenhäuser Bibellesenacht widmete sich an ihrem zehnjährigen Jubiläum im Jahr 2013 den Engelsgeschichten der Bibel, quasi zwischen Himmel und Erde.

Der Buß- und Bettag am Mittwoch vor dem Ewig­keitssonntag steht traditionell für die Umkehr des Menschen von verkehrten Wegen und der Hinwen­dung zu Gott. Wer könnte ein besserer Begleiter auf diesem Weg sein als die Engel – die Boten, die Gott zu den Menschen schickt?
Sie kommen vom Him­mel auf die Erde und machen auf ihre Weise deut­lich, dass Gott sich den Menschen liebevoll zuwen­det. Sie schaffen eine Nähe zu Gott, die ansonsten wohl kaum möglich wäre. Vielleicht liegt darin ihre besondere Faszination. Selbst Menschen, die keiner Religion angehören, glauben heute vielfach noch (oder wieder) an Engel – erstaunlich in unserer auf­geklärten Welt, in der meist doch nur das Sicht- und Messbare zählt.

Engelbegegnungen durchziehen die Bibel von den Erzvätern des Volkes Israel bis zu den Propheten, und von Jesus bis zu den frühen Christengemein­den. Das Besondere der biblischen Engel besteht darin, dass sie ganz in dem Auftrag aufgehen, den Gott ihnen gegeben hat. Oft ist das eine Botschaft an die Menschen – ein Versprechen, eine Ankündi­gung, eine herausfordernde Aufgabe. Engel verkörpern aber auch die Überzeugung, dass das Leben der Menschen trotz aller Gefährdungen und Anfein­dungen unter Gottes Schutz steht. Engel stehen den Menschen in Situationen zur Seite, die sie allein kaum bewältigen können. Engel begleiten auch das Leben Jesu. An den entscheidenden Stationen seines Lebensweges sind sie zur Stelle: vom Anfang – bei seiner Empfängnis und Geburt – bis zum Ende und darüber hinaus – bei der Passion und Auferstehung Jesu.

Die Engel der Bibel begegnen einem in ganz unter­schiedlicher Gestalt: als prächtige geflügelte Wesen, aber auch ganz irdisch und unspektakulär, von „nor­malen“ Menschen kaum zu unterscheiden. Eins jedoch ist all den verschiedenen Engeln der Bibel gemeinsam: Sie bringen die Menschen Gott näher und Gott den Menschen. Sie bauen eine Brücke zwi­schen Himmel und Erde. Und indem sie Gottes Han­deln eine Gestalt verleihen, machen sie das Unfass­bare fassbar.

Bildmotiv:
Engel im Brunnhausgewölbe im Kloster Bebenhausen
Text: Hannelore Jahr

 

 


 

Unter dem Motto „Psalter und Harfe spielt auf“ stehen bei der Bibellesenacht 2014 in der Bebenhäuser Klosterkirche Musikgeschichten der Bibel im Mittelpunkt. Veranstalterinnen am 31. Oktober (Reformationstag) sind die evangeli­schen und katholischen Kirchengemeinden Lustnau und Bebenhausen.

Musik gehört in der Bibel immer dazu. Sie erscheint in vielerlei Formen und in ganz unterschiedlichen Zusammenhängen. Musik ist Ausdruck von Freude, wenn Mirjams Lied vom Auszug aus der Knecht­schaft in Ägypten erklingt, Musik hat heilende Kraft, wenn David seine Laute für den schwermü­tigen König Saul schlägt, Musik hat sogar militä­rische Funktion, wenn sie die Mauern von Jericho zum Einsturz bringt. Da gibt es die große Samm­lung der Psalmen und das „Lied der Lieder“, das Hohelied von der Liebe zwischen Mann und Frau – Poesie, die ihren festen Platz in der Weltliteratur hat.

Der Abend gehört jedoch nicht nur Texten über die Musik aus der Bibel, sondern auch der Musik selbst. Begleitet vom Tübinger Instrumentalensem­ble „Chanter“ mit Harfe, Flöten, Gitarre und Man­doline singt der Bebenhäuser Projektchor unter der Leitung von Judith Looney.

 Als thematisches Bildmotiv wurden vier musi­zierende Engel aus dem Kloster ausgewählt. Das Quartett gruppiert sich mit Harfe, Orgel, Laute (und vermutlich einem Streichinstrument) um den segnenden Christus in ihrer Mitte. Mit solch einem Engelskonzert begrüßte das Kloster Bebenhausen in früheren Zeiten seine Neuankömmlinge. Noch heu­te sieht man dieses himmlische Ensemble auf den Schlusssteinen im Kreuzgratgewölbe des östlichen Kreuzgangs. Wer – früher wie heute – diese Stelle, den einstigen Haupteingang, passiert und den Blick dabei nach oben richtet, weiß sich doppelt gebor­gen: in Gottes Segen und umgeben von wundersa­mer Musik.

 Musik wurde auch von dem Reformator Martin Luther hoch geschätzt. Für ihn ist sie „die beste Got­tesgabe“, der „beste Trost für einen verstörten Men­schen“, eine „Lehrmeisterin, die die Leute gelinder, sanftmütiger und vernünftiger macht“.

Die Bibellesenacht am Reformationstag, dem 31. Oktober, beginnt um 19.30 Uhr. Das Lesepro­gramm wird gegen 21 Uhr zu Ende sein. Wer möch­te, ist eingeladen, das Gehörte anschließend bei Brot, Wein oder Wasser buchstäblich „nach- und ausklingen“ zu lassen.


 Hannelore Jahr

 Musizierende Engel gruppieren sich um den segnenden Christus;

 Motiv im Kreuzgratgewölbe des östlichen Kreuzganges im Kloster Bebenhausen

 

 


 

Der nächste bitte ...
Geschichten von Krankheit und Heilung
 

Die biblischen Geschichten von Krankheit und Hei­lung sind das Thema der 12. Bebenhäuser Bibel­lesenacht, zu der die evangelischen und katholi­schen Kirchengemeinden Lustnau und Bebenhausen am Reformationstag in die Klosterkirche einladen. An dem Thema „Krankheit und Heilung“ kommt niemand vorbei. „Der Nächste bitte!“ − das Motto der diesjährigen Bibellesenacht greift dies im dop­pelten Sinne auf: nicht nur selbst als Nächster bei der Behandlung an der Reihe zu sein, sondern auch einen Nächsten zu haben, der in Krankheit und Leid Beistand leistet.

In biblischer Zeit gab es noch keine moderne Medizin. Dennoch begegnen uns in den biblischen Geschichten von Krankheit und Heilung schon fast modern anmutende Diagnosen und Therapien. Berichtet wird über alle möglichen Formen körper­licher wie psychischer Erkrankungen. Die Bibel gibt ihnen deshalb so breiten Raum, weil Heilung für sie eine reale Möglichkeit ist. Dabei gehören Krank­heit und Heilung in einen religiösen Bezugsrahmen: Zuletzt ist es Gott, der den Menschen − auch vermit­tels der ärztlichen Kunst − seine Hilfe zusagt. Alle Heilung kommt aus der Beziehung zu ihm, und die Menschen sollen Gottes Zuwendung zu ihnen mit Leib und Seele erfahren.

Im Unterschied zur Arztpraxis von heute hat Gott keine festen Sprechzeiten. Jederzeit können die Patienten, die seine Hilfe suchen, sich im Gebet an ihn wenden. Genau dies geschieht in vielen Psal­men der Bibel. In geradezu hemmungsloser Klage schildern die Psalmbeter Gott ihre Krankheitssymp­tome inklusive all ihrer Gefühle von Verzweiflung, Hoffnungslosigkeit und Todesangst. Und so fest ist ihr Vertrauen auf Gottes Hilfe, dass sie ihn zuwei­len sogar schon im Vorgriff preisen und ihm für ihre Genesung danken.

Der bekannteste Heiler der Bibel ist zweifellos Jesus, dessen therapeutische Kraft aus seiner besonderen Beziehung zu Gott erwächst. An ihn wenden sich diejenigen, die sich keinen Arzt leisten können oder die schon viele Ärzte erfolglos konsultiert haben – hoffnungslose Fälle sozusagen, die ihre Hoffnung zu Recht auf ihn setzen. Jesu Heilungstaten weisen immer über sich hinaus. Sie zeigen, wie es einmal sein wird in jener Welt ohne Schuld, Krankheit und Leid, die Jesus in seinen Predigten das „Reich Gottes“ nennt. Umrahmt wird das Leseprogramm auch in diesem Jahr wieder durch die Musik des Tübinger Instru­mentalensembles „Chanter“, das mit Harfe, Flöten und Saiteninstrumenten die heilende Kraft der Töne hör- und spürbar machen will.

Bildmotiv:
Der Evangelist Lukas wird traditionell mit dem Arzt und Paulusmitarbeiter Lukas (Kolosser 4,14) gleichgesetzt. Das Bild zeigt ihn mit seinem Symboltier, dem Stier, an der Kanzel der Klosterkirche Bebenhausen. – Foto: Christian Schröter
Text: Hannelore Jahr

 


 

Erhalt uns, Herr bei deinem Wort 
Texte aus der neu revidierten Lutherbibel 2017
und Lieder von Martin Luther
13. Bebenhäuser Bibellesenacht
am 12. November 2016

Martin Luther war ein begnadeter Sprachkünstler. Seine Bibelübersetzung hat nicht nur die deutsche Sprache und Literatur geprägt, sondern ist zugleich Ausdruck protestantischer Identität und Frömmigkeit. Aufgrund ihrer literarischen Qualität wird sie auch von vielen katholischen Christinnen und Christen geschätzt. Damit Luthers Bibelübersetzung nicht zum Museumsstück wird, hat man sie im letzten Jahrhundert in verschiedenen Anläufen revidiert und sprachlich modernisiert. Zum Reformationsjubiläum ist die Lutherbibel noch einmal revidiert worden. Durch diese Neurevision wurde sie nicht nur auf den aktuellen Stand der Bibelwissenschaft gebracht, sondern zugleich wieder stärker an den ursprünglichen Wortlaut Luthers angeglichen. So wurde das Sprachkunstwerk „Lutherbibel“ neu profiliert.

Umso mehr lohnt es sich, die neuen „alten“ Texte zu entdecken. Dazu lädt die diesjährige Bebenhäuser Bibellesenacht ein. Die ausgewählten Lesungen gehören zu vier zentralen biblischen Themen: die Liebe als größte der Gottesgaben, Beten und Gebet, Tod und Auferstehung und – als Vorgeschmack auf die kommende Weihnachtszeit – die Geburt Jesu. Die Begleittexte zu den Lesungen geben zugleich Einblick in Luthers Übersetzungswerkstatt und die Arbeit der aktuellen Revision.

 Luthers poetische Begabung hat ihren Niederschlag auch in zahlreichen Liedern gefunden, von denen viele bis heute im Evangelischen Gesangbuch und einige auch im katholischen Gotteslob zu finden sind. Am bekanntesten ist zweifellos „Ein feste Burg ist unser Gott“, das als Hymne der Reformation gilt. Auch das Thema der diesjährigen Bibellesenacht ist einem Lutherlied entnommen. Der Reformator selbst liebte die Musik als Gottesgabe von großer Macht, die ihm geradezu als Vorschein der Ewigkeit galt. Eine Auswahl seiner Lieder umrahmt deshalb auch das diesjährige Leseprogramm. Interpretiert werden Luthers Lieder von dem Tübinger Instrumentalensemble Chanter, das mit Harfe, Flöten und Saiteninstrumenten die Brücke zwischen Luthers Zeit und unseren heutigen Hörgewohnheiten schlägt.



Gott dienen mit Feiern
14. Bebenhäuser Bibellesenacht
am 11. November 2017

Biblische Texte in der Übersetzung Martin Luthers begleiten die Evangelischen Kirchengemeinden durch das Kirchenjahr. Das war zu Luthers Zeiten so und ist bis heute so geblieben. Im Rhythmus des sonntäglichen Gottesdiensts wird jedes Jahr neu die Geschichte von Gottes Zuwendung zu den Menschen gefeiert. Am Sonntag können wir – wie Martin Luther es formuliert hat – Gott „mit Feiern und Ruhen dienen“.

Die Bibellesenacht konzentriert den Zyklus eines ganzen Kirchenjahrs auf einen Abend: Von Advent und Weihnachten über Passion, Ostern und Pfingsten bis hin zum Ewigkeitssonntag. Eingerahmt wird dieser Gang durch das Kirchenjahr durch die Gebete der Gemeinde: alttestamentliche Psalmen zum Eingang und das Vaterunser zum Abschluss.

Luther war jedoch nicht nur der kongeniale Übersetzer der Heiligen Schrift, sondern auch ein ebenso kongenialer Liederdichter und -komponist. Viele seiner Lieder sind bis heute im Evangelischen Gesangbuch und einige auch im katholischen Gotteslob zu finden. Deshalb erklingen passend zu den Lesungen Luthers Lieder: von „Ein feste Burg“ bis zur Segensbitte „Verleih uns Frieden gnädiglich.“ Das Tübinger Instrumental- und Vokalensemble Chanter schlägt mit Harfe, Flöten und Saiteninstrumenten die Brücke von den Renaissanceklängen der Lutherzeit zur Kirchen- und Volksmusik von heute.

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