Martin Luther  (1483 - 1546)

Das Lied „Ein feste Burg ist unser Gott“ oder das ihm zugeschriebene Schlusswort auf dem Reichs­tag zu Worms 1521 „Hier stehe ich und kann nicht anders. Gott helfe mir. Amen“ – solch eine Über­zeugung und Standhaftigkeit verbindet man oft mit Martin Luther. Und in der Tat war Luther in die­sem Sinne eine besondere Persönlichkeit, die mit ihrer Beharrlichkeit und Klugheit wie auch ihrem existentiellen Fragen und Zweifeln die Reforma­tion möglich gemacht hat. Entscheidend war dabei sicher, dass er seine erfahrenen Anfechtungen nicht vorschnell unterdrückt hat und unterdrücken konnte, sondern Antworten gesucht und gefunden hat, die vor seinem Gewissen bestehen konnten.

Martin Luther wurde am 10. Novem­ber 1483 in Eisleben geboren. Sein Vater Hans war im Bergbau vermö­gend geworden und wollte, dass sein Sohn einmal Jurist werden sollte, um beispielsweise als Berater bei einem Fürsten tätig sein zu können. In Mans­feld, Magdeburg und Eisenach besucht Martin verschiedene Schulen und beginnt ab 1501 sein Studium an der Universität Erfurt, wo er dann auch Rechtswissenschaften studiert. Als er auf freiem Feld bei Stotternheim von einem fürchterlichen Gewitter über­rascht wird, gelobt er bei der Heiligen Anna, ins Kloster einzutreten und ein Mönch zu werden, wenn er das Gewitter überleben sollte. 1505 tritt er daraufhin in den Augustiner-Eremitenorden in Erfurt ein und wird 1507 zum Priester geweiht. Er studiert Theologie in Wittenberg und wird dort 1512 Professor. Auch in seinem Orden werden ihm verschiedene Leitungsaufgaben übertragen, die ihn 1510 nach Rom führen. Dort ist er entsetzt über den Sittenverfall unter den Klerikern und die Lebens­weise des Papstes.

Zeitlebens war Luther von der Angst geplagt gewe­sen, er könne durch sein Verhalten vor Gott nicht gerecht sein. Selbst schwere Bußübungen konn­ten ihm diese Angst nicht nehmen, bis er die ent­scheidende Entdeckung für sein Leben in der Bibel machte. In der Meditation über den Bibelvers Römer 1,17 hat er für sich ein neues Verständnis der bibli­schen Botschaft entdeckt:

„Denn darin wird offenbart die Gerechtigkeit, die vor Gott gilt, welche aus dem Glauben kommt und zum Glauben führt; wie geschrieben steht (Habakuk 2,4): Der Gerechte wird aus dem Glauben leben.“ Gottes Gerechtigkeit kann man sich nicht verdienen durch gute Werke oder Eigenleistung, sondern sie

ist ein reines Gnadengeschenk, das dem Menschen nur durch den Glauben an Jesus Christus gege­ben wird. Auch der Glaube selbst wird gewirkt, ist kein menschliches Werk, sondern das des Heiligen Geistes.

Diese Erkenntnis Luthers stand im krassen Gegen­satz zur gängigen kirchlichen Lehre wie auch im Widerspruch zum Ablasshandel, in dem gegen Geld die Vergebung von Sünden und die Verkürzung der Fegefeuerqualen versprochen wurde, selbst für schon Verstorbene: „Wenn das Geld im Kasten klingt, die Seele aus dem Fegefeuer in den Himmel springt.“

Luther wandte sich dagegen mit dem Anschlag der 95 Thesen am 31. Okto­ber 1517, in denen er beispielsweise schrieb, dass das ganze Leben Buße sei und dass wahre Reue zur Verge­bung führe. Aus der ursprünglichen wissenschaftlichen Disputation wurde deutliche Kritik am damaligen Papst­tum. Schließlich verhängte 1521 die römische Kurie den Bann über Martin Luther.

1521 sollte er auf dem Reichstag zu Worms zu seinen Schriften Stellung beziehen beziehungsweise sie wider­rufen, wozu er gerne bereit gewesen wäre, wäre er aus der Schrift (Bibel) widerlegt worden. Der Kaiser erklärte Luther als vogelfrei, jeder konnte ihn töten oder musste ihn ausliefern. 1521 lässt Kurfürst Friedrich der Weise Martin Luther zu dessen Schutz auf die Wartburg bringen. Als Junker Jörg übersetzt Luther auf der Burg das Neue Testament aus dem griechischen Urtext in die deutsche Sprache. 1522 verlässt Luther die Wartburg, um zu verhindern, dass die reformatorische Bewegung ins Radikale abglei­ten konnte. Damit gab Luther der Reformation eine friedliche, nicht umstürzlerische Ausrichtung.

1525 heiratete Martin Luther die 1523 aus dem Kloster Nimbschen bei Grimma entflohene Nonne Katharina von Bora, die seitdem Zuflucht in Witten­berg gefunden hatte. Sie bekamen sechs Kinder.

Ebenfalls 1525, im Bauernkrieg, stellte er sich gegen die Bauern, denn er verurteilte die von ihnen ange­wandte Gewalt. Was folgte, war eine Reformation „von oben“, Seite an Seite mit dem Landesherrn. Luthers gemäßigte Linie in der reformatorischen Bewegung blieb nicht ohne Konflikt. Doch kann er bei aller Auseinandersetzung erleben, wie sich die evangelische Kirche ausbildet. Er stirbt am 18. Feb­ruar 1546 in seiner Geburtsstadt Eisleben.

Wsg

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