Nelson Mandela (1918 - 2013)

 Rose Feiler schreibt über Nelson Mandela. Sie ist neu nach Lustnau zugezogen und war seit 1970 insgesamt 17 Jahre in Projekten der Entwicklungszusammenarbeit tätig, davon rund 8 Jahre in Afrika: 2 Jahre Elfenbein­küste, 3 Monate Djibouti (Flüchtlingslager), 6 Jahre Rwanda.

Gerade wurden das alte Jahr 2013 verabschiedet und das neue Jahr 2014 begonnen. Keine Zeit ist besser dazu geeignet, über Vergangenes und Zukünftiges zu reflektieren wie in diesen Tagen.

Ein außergewöhnlicher Lebenslauf berührt und fas­ziniert in besonderer Weise: Mit Nelson Rohihlahla Mandela, der am 5. Dezember 2013 im Alter von 95 Jahren gestorben ist, hat die Welt einen charismati­schen Menschen verloren. Dieser eher unbekannte Geburtsname Rohihlahla bedeutet in der Sprache der Xhosa so viel wie „Am Ast eines Baumes ziehen“ und meint im übertragenen Sinn „Unruhestifter“. Ein Name von schicksalhafter Bedeutung.

Er war ein konsequenter Kämpfer gegen das Apart­heitssystem in Südafrika und verbrachte deswegen als Staatsfeind Nummer eins 27 Jahre seines Lebens im Gefängnis, die längste Zeit auf Robben-Island, einer Insel, auf der noch bis ins 20. Jahrhundert hin­ein Leprakranke in isolierten Dörfern lebten. Die lan­gen und entbehrungsreichen Gefängnisjahre machten ihn nicht zum verbitterten und rachsüchtigen Mann. Ganz im Gegenteil: Er gewann den Respekt der weißen Gefängniswärter, richtete seine Mitgefangenen psychisch auf und verschaffte ihnen eine ausgefeilte Bildungsoption durch die Gründung der sogenannten „Mandela-Universität“ im Gefängnis.

Die menschenverachtende Apartheid in Südafrika zu überwinden und seinem Volk Würde und Selbstach­tung wieder zurückzugeben war Mandelas großes Ziel. Dafür war er bereit, auf Familien- und Berufsleben zu verzichten und sein Leben zu verlieren. „Ich habe das Ideal einer freien Gesellschaft hochgehalten – ich bin bereit, für dieses Ideal zu sterben.“ Das waren 1990 Worte eines Boxers, Volkshelden, Terroristen, Juris­ten, Clanführers. Nach seiner Haftentlassung im Jahr 1990 entsteht unter seinem Einfluss eine Übergangs­verfassung. 1993 erhielt er dann den Friedensnobel­preis (zusammen mit dem damaligen Präsidenten Fre­derik Willem de Klerk) und 1994 wurde er zum ersten „schwarzen“ Präsidenten Südafrikas gewählt. Damit konnte er seine Versöhnungspolitik fortführen mit Hinführung seines Landes zur Demokratie („Vorbei ist vorbei.“). Noch als Präsident stand Mandela auf der Überwachungsliste Amerikas. Erst 2008 veranlasste George W. Bush die Streichung von Mandelas Namen

von dieser Liste. Nach einer fünfjährigen Amtszeit trat er freiwillig zurück. Seine Menschenrechtsbewegung – die bisher größte aller Zeiten – hatte folgenreiche Auswirkungen in die Nachbarländer sowie weltweit. Im Folgenden dürften die Schlüssel zu Mandelas beeindruckendem Charakter liegen:

Mandela stammte aus der Königsdynastie des Them­bu-Volkes in der Transkei. Er erhielt demnach eine tra­ditionell ausgerichtete Erziehung und verbrachte seine Schuljahre an methodistischen Institutionen. Aus die­sen frühen Jahren entwickelten sich vermutlich seine Führungsqualitäten und sein ausgeprägtes Selbstwert­gefühl und seine Selbstdisziplin, aber auch das tiefe Bewusstsein, dem Gemeinwohl des Volkes gegenüber verpflichtet zu sein. Sein großer persönlicher Charme mit dem unwiderstehlichen Lächeln war eine besonde­re Gabe, die ihn auch Andersdenkende und Gegner für sich einnehmen ließen.

Der Beginn des Jurastudiums, weg von seinem „homeland“, konfrontierte ihn heftig mit den Unter­drückungsmechanismen des Apartheitsstaates. Nach erfolglosen gewaltfreien Aktionen gegen das Apart­heitssystem ging er mit Gleichgesinnten in den Unter­grund und damit in den Befreiungskampf der mul­tiethnischen Minderheiten Südafrikas. Die langen Gefängnisjahre ließen seine Willenskraft eher stählen und seinen Glauben an die persönliche Freiheit der Menschen wachsen als zerstören. Erniedrigungen und Beleidigungen prallten an ihm ab: „Der Unterdrücker und der Unterdrückte sind gleichermaßen ihrer Frei­heit beraubt.“

„Es ist gut zu wissen, dass er auch nur ein Mensch ist“, sagte Erzbischof Tutu von ihm, er kannte Mandelas auch menschliche und fehlbare Seiten, denn er konnte zum Beispiel aufbrausend und uneinsichtig reagieren. Auf ihre eigene Weise nahmen die Südafrikaner Abschied von Mandela: Neben der Trauer waren Tan­zen und fröhliches Feiern Ausdruck von Dankbarkeit und Stolz um einen herausragenden Menschen aus ihren Reihen.

Nicht nur politischen Entscheidungsträgern ist zu wünschen, dass persönliche Machtinteressen in den Hintergrund treten, dass sie sich von mehr Wertschät­zung den Gegnern gegenüber führen lassen. Es ist uns zu wünschen, dass wir von Vordenkern und Leitfiguren „Handeln“ lernen können – wie Nelson Mandela, der konsequent lebte, wozu er aufforderte: „Wir müssen unser Leben so leben, dass wir die Freiheit der ande­ren Menschen respektieren und voranbringen helfen.“ Dazu braucht es Mut und überzeugtes Handeln – eine tägliche Herausforderung für uns alle!

Rose Feiler

 

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