Bertha von Suttner (1843 bis 1914)

Wer war die Frau, die von ihren Gegnern als „Frie­densbertha“ verspottet wurde, die als erste Frau 1906 den Friedensnobelpreis erhielt und genau vor 100 Jah­ren, am 21. Juni 1914, verstarb?

Sie war eine Ruferin für den Frieden. Aufgewachsen ist sie in Prag als Bertha Gräfin Kinsky von Chinic und Tettau. Ihr Vater war vor der Geburt gestorben. Da die Mutter aus niederem Adel stammte, war Bertha nicht „hoffähig“, was sie zeitlebens nie verwand.

Sie erhielt eine gute Erziehung, sprach mehrere Spra­chen fließend. Mit ihrer Mutter reiste sie viel an all die Orte, wo es damals schön und teuer war.

Bertha von Suttner war 29 Jahre alt, als dieses „Luxus­zigeunerleben“, wie sie sagte, jäh beendet wurde. Das Vermögen war aufgebraucht. Sie nahm eine Stellung als Erzieherin im Hause des Freiherrn Karl von Suttner für dessen vier Töchter an. Außerdem waren noch zwei Söhne im Hause. Bertha und der jüngere Sohn Arthur verliebten sich inei­nander. Da diese Verbindung aber nicht standesgemäß war, musste Bertha das Haus wieder verlassen.

Für ein paar Wochen, die prägend für Ber­tha von Suttner waren, arbeitete sie für Alfred Nobel, den Erfinder des Dynamits. Zu seiner Erfindung sagte er, als Begründung zur Stiftung des Friedensnobelpreises, er hoffe, einen Stoff erfunden zu haben von so fürchterlicher Wirkung, dass dadurch Kriege überhaupt unmöglich würden.

Bertha und Arthur von Suttner heirateten an einem geheimen Ort und führten eine glückliche und geistig anregende Ehe. Sie flohen in den Kaukasus, der für neun Jahre ihre Wahlheimat blieb. Dort erlebte Bertha von Suttner hautnah die Auswirkungen des russisch­türkischen Krieges, sah die verwundeten und sterben­den Soldaten und die Not ihrer Familien. Das führte bei ihr zu einer Bewusstseinsänderung: Kriege waren nun nicht mehr Kriegsspielerei, Säbelrasseln und Gewinnen von Ruhm. Sie begann zu schreiben. Der Durchbruch als Schriftstellerin erfolgte 1889 mit dem Roman „Die Waffen nieder“. Sie schildert schonungs­los das Schicksal einer Frau, die die Kriege 1864/66 und 1870/71 erlebt, deren Familienglück zerstört und die dabei zur Kämpferin für den Frieden wird. Der Roman erregte weltweit großes Aufsehen, auch dass er von einer Frau kam. Von da an wird „der Kampf für den Frieden“ ihr Lebensthema.

Die Arbeit von Henry Dunant, dem Gründer des internationalen Roten Kreuzes, hat sie hochgeachtet und versucht hier mitzuarbeiten. Aber sie will mehr: „Nicht nur die Leiden in den Kriegen lindern, sondern mithelfen, den Krieg zu verhindern.“ Sie wirbt dafür, dass Friede zum Menschheitsbedürfnis wird. Doch die Welt war nicht kriegsmüde. Der Krieg 1870/71 drängte zur Revanche, und die neuen, technisch verbesserten Waffen führten zu einer immensen Aufrüstung.

Obwohl es in England und Amerika schon Friedensge­sellschaften gab, war es damals für eine Frau unmög­lich, einer solchen beizutreten oder gar einen Verein zu gründen. Erst 1891 gelang es ihr, eine österreichische Friedensgesellschaft zu gründen. Die „Friedensakti­visten“ glaubten, man könne mit einem Schiedsgericht den Krieg hinauszögern und dann verhindern. Das hielten die Politiker allerdings für eine Illusion. Doch Bertha von Suttner ließ sich nicht beirren.

Gemeinsam mit ihrem Mann und dem Publizisten und späteren Mitarbeiter Alfred Hermann Fried gründete sie die Zeitschrift: „Die Waffen nieder“, die später „Die Friedenswarte“ hieß. In diesem Blatt kämpften sie gegen den immer stärker werdenden Antisemitis­mus. Denn: „Bevor wir jedoch den Frieden nach Außen zu erreichen vermögen, müssen wir den Frieden nach Innen herstellen.“

Es war ihr klar, die Friedensbewegung allein kann Kriege nicht abschaffen: „Nur wer die Macht in Händen hat, kann diese Ideen umsetzen.“ So hoffte sie auf einen Durchbruch auf dem 1898/99 in Den Haag stattfin­denden 1. Friedenskongress, an dem nicht friedens­bewegte Laien teilnahmen, sondern Politiker. Bertha von Suttner konnte als Frau nur als Korrespondentin teilnehmen und berichtete für viele große Zeitschriften weltweit. Das Ergebnis des Kongresses war enttäu­schend. Zwar wurde beschlossen, ein Schiedsgericht in Den Haag zu gründen, aber es dürfe die Souveräni­tät der Länder nicht beschränken.

1906 bekam Bertha von Suttner als erste Frau den Friedensnobelpreis. Leider hat das ihr Mann nicht mehr miterlebt, er war drei Jahre zuvor gestorben. In ihrer Festrede am 18. April 1906 in Oslo sprach sie von der Hoffnung, dass nach den Gräueln der Kriege, dem Säbelrasseln und Aufrüsten, die allgemeine Frie­densbewegung wachse. Bei der internationalen wirt­schaftlichen Verflechtung einerseits und den gestei­gerten Vernichtungsmethoden andererseits werde die Menschheit erkennen, dass Kriege nicht mehr führbar seien. Diese Rede machte sie weltweit berühmt. Es folgten Vortragsreisen durch ganz Europa und USA. Dort wurde sie auch von Präsident Roosevelt empfan­gen. Doch auch er sah die Friedenssicherung nur durch Aufrüstung. Ihr Schreiben und Reden, ihr Werben und Kämpfen für den Frieden stieß bei den Politikern letzt­endlich auf taube Ohren. Ein paar Wochen vor dem Ausbruch des 1. Weltkriegs starb Bertha von Suttner. Noch als Sterbende rief sie ihrem Mitarbeiter Fried zu:

„Die Waffen nieder, sagt es allen!“

Ursula Stöffler

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