Turmgeschichten in der Bibel: Der Turmbau zu Babel

Die Kirchengemeinde Lustnau beschäftigt im Augenblick, wie der Kirchturm renoviert werden kann, nachdem Putzteile abgebrochen sind. Deshalb ist der Turm abgesperrt. Um mit der dringend erforderlichen Sanierung 2014 beginnen zu können, braucht es jedoch Geld, das die Gemeinde nicht hat. Im Vergleich zu öffentlichen Großprojekten hat sich die Kirchengemeinde in ihrer Bautätigkeit an das Wort Jesu zu halten: „Wenn einer von euch einen Turm bauen will, setzt er sich dann nicht zuerst hin und rechnet, ob seine Mittel für das ganze Vorhaben ausrei­chen?

Sonst könnte es geschehen, dass er das Fundament gelegt hat, dann aber den Bau nicht fertig stellen kann. Und alle, die es sehen, würden ihn verspotten und sagen: Der da hat einen Bau begonnen und konnte ihn nicht zu Ende führen“ (Lukas 14,28-30).

Über der Beschäftigung mit der Sanierung des Lustnauer Kirchturms kam der Gedanke: Welche Turmgeschichten gibt es eigentlich in der Bibel?

Die bekannteste handelt gleich von einem geschei­terten Großprojekt. In 1. Mose 11,1-9 steht die Geschichte vom Turmbau zu Babel. Sie ist zum Sinnbild für menschliche Überheblichkeit geworden („so zu werden wie Gott“; „bis in den Himmel zu rei­chen“). Die Menschen, die damals noch alle dieselbe Sprache hatten, wollten eine Stadt bauen mit einem Turm, der bis zum Himmel reicht. Gott betrachtet die Bauarbeiten und erkennt die Machtansprüche der Menschen. Was sollte ihnen noch unmöglich sein, wenn sie diesen Bau vollenden? So, als wol­le er sich selbst, aber auch die Menschen vor den Menschen schützen, beschloss Gott, ihre Sprache zu verwirren und sie über die ganze Erde zu zerstreuen. Und so geschah es: „So zerstreute der Herr sie über die ganze Erde, und sie konnten die Stadt nicht wei­terbauen. Darum heißt diese Stadt Babel, denn dort hat der Herr die Sprache der Menschen verwirrt und von dort aus die Menschheit über die ganze Erde zerstreut“ (1. Mose 11, 8f). Selbst eine „Sprechklausel“ zur Rettung des Projekts wurde so unmöglich gemacht. Als deutsche Archäologen zu Beginn des 20. Jahrhunderts im Irak den in der Bibel erwähnten Turm von Babel entdeckten, war von diesem einsti­gen Wunderwerk nur noch ein Haufen aus Stein und Lehm übrig. Jedoch konnte man die Ausmaße, die zu biblischen Zeiten unermesslich groß waren, erah­nen: Der legendäre, unter König Nebukadnezar (er lebte ungefähr 640 bis 562 vor Chris­tus) erbaute Turm hatte demnach eine Grundfläche von 90 mal 90 Metern und war 77 Meter hoch. Auf dem Turm, der in fünf bis acht Stu­fen aufgebaut war, wurde ein dem Gott Marduk geweihter Tempel gebaut, so dass er insgesamt auf eine Höhe von ungefähr 90 Metern kam. Er muss bei den ins Exil geführ­ten Israeliten einen gewaltigen Eindruck hinterlassen haben, weshalb von ihm in der Bibel erzählt wird. Vielleicht wird „Babel“ aber auch nur deshalb als Ort des Turmes genannt, weil das hebräische Wort für „verwirren“ (balal) darauf bezogen wurde. Bei seinem Einzug in Babylon im Frühjahr 323 vor Christus jedenfalls ließ Alexander der Große die Reste des Turmes bis auf das Fun­dament abtragen, um ihn neu zu errichten. Jedoch starb er kurze Zeit später, so dass das Werk nicht vollendet wurde.

Die Geschichte vom Turmbau zu Babel steht in der Bibel in einer Reihe von Geschichten, in denen Men­schen sich gegen Gott auflehnen. Der menschliche Größenwahn wird von Gott jedoch in die Schranken gewiesen. Die Bibel nimmt in der Pfingstgeschich­te (Apostelgeschichte 2) die Sprachverwirrung der Menschen wieder auf, aber so, dass der Heilige Geist sie aufhebt und ein jeder die Pfingstpredigt des Petrus in seiner eigenen Sprache versteht. Auf diese Weise zeigt Gott den Menschen, welches der richtige Weg ist, ohne Turmbau in den Himmel zu kommen.

Stephan Glaser

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